ZHPF 2014: Rede, Zürcher Regierungsrat Mario Fehr


Rede an der Demonstration der Zurich Pride

Helvetiaplatz, 14. Juni 2014

Es gilt das gesprochene Wort ((Anrede, etw. liebe Umzugsteilnehmerinnen, liebe Umzugsteilnehmer o.ä.))

mario fZunächst einmal möchte ich mich ganz herzlich für eure Einladung bedanken. Ich freue mich sehr, heute hier zu sein, um mit euch zusammen für unsere gemeinsame Sache einzustehen: Für Gerechtigkeit, Gleichstellung und Toleranz.

Bereits vor 14 Jahren durfte ich im Rahmen dieses Anlasses, der damals noch Chris- topher Street Day hiess, zu euch sprechen. Umso mehr freut es mich zurückzubli- cken auf das, was wir in der Zwischenzeit erreicht haben.

Seit  sieben  Jahren  können  schwule  und  lesbische  Paare  ihre  Partnerschaft schweizweit registrieren lassen und so eine Lebensgemeinschaft mit gegenseitigen Rechten und Pflichten eingehen. Viele praktische Probleme wie Erbschaften oder die Aufenthaltsbewilligung für ausländische Partner sind damit gelöst worden. Diese Er- rungenschaften verdankt die Schweiz eurem hartnäckigen Engagement. Ihr seid zu Recht stolz auf das, was Ihr erreicht habt.

Doch täuschen wir uns nicht: Mit dem neuen Partnerschaftsgesetz ist zwar ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg hin zur gesellschaftlichen Anerkennung erreicht, doch am Ziel einer vollständigen Gleichstellung homosexueller Paare in allen Lebensbereichen sind wir noch nicht.

Begnügt euch nicht mit dem Erreichten! Denn letztlich sollten auch Schwule und Lesben eine Ehe schliessen können. Und auch wenn es um Kinder geht, sollen ho- mosexuelle Paare in diesem Land in Zukunft nicht mehr diskriminiert werden. Der Wunsch, eine Familie aufzubauen, ist auch für viele gleichgeschlechtliche Paare zentral. Die Erfüllung dieses Wunsches bleibt ihnen jedoch per Gesetz verwehrt. Sie dürfen keine Kinder gemeinsam adoptieren und auch der Zugriff auf die Fortpflan-

zungsmedizin bleibt ihnen verschlossen.

Die Adoption soll aber in Zukunft nicht nur heterosexuellen Ehepaaren, sondern auch gleichgeschlechtlichen Paaren möglich sein. Wirklicher Wandel erfordert ein grund- sätzliches Umdenken. In einer gerechten Gesellschaft bedeutet rechtliche Gleichstel- lung kein Entgegenkommen gegenüber einer Minderheit, sondern eine Selbstver- ständlichkeit. Das Ziel ist erst dann erreicht, wenn niemand mehr aufgrund seiner sexuellen Orientierung diskriminiert wird. Bis wir soweit sind, sind Demonstrationen wie diese dringend notwendig.

Doch nicht nur innenpolitisch ist euer Kampf von Bedeutung. Wie der Blick ins Aus- land zeigt, sind homo-, bi- und transfeindliche Gesetze eine weit verbreitete, traurige Realität: So zum Beispiel in Russland und in vielen anderen Ländern der Welt, in de- nen Homosexualität, Transgenderismus und Bisexualität von der Gesellschaft abge- lehnt werden; in der Hälfte aller Länder dieser Welt sind diese Lebensweisen illegal und werden im schlimmsten Fall sogar mit dem Tod bestraft.

Euer Kampf ist aber auch mehr als die Forderung nach weltweiter Akzeptanz und Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transmenschen. Denn stell- vertretend steht er auch für die Anliegen von allen anderen Minderheiten, die tagtäg- lich Diskriminierung erfahren und erleben müssen.

Wenn wir alle in einer freien Gesellschaft leben wollen, dann ist euer Kampf auch mein Kampf und eure Anliegen auch die meinigen. Toleranz ist mehr als nur leben und leben lassen; in einer liberalen und toleranten Gesellschaft sind alle Lebensfor- men gleichberechtigt. Deshalb verteidigen wir letztendlich unsere eigene Freiheit, wenn wir für die Rechte von Minderheiten in unserer Gesellschaft eintreten. Vergesst nicht, wir sind alle nur ein Teil des Regenbogens!

In diesem Sinne danke ich Euch sehr herzlich für eure Anstrengungen. Ich wünsche
Euch ein schönes Festival.

Lang lebe die Pride.

Jetzt erst recht!

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