Film-Tipp: Weekend


In „Weekend“ prüfen zwei Männer nach einem One-Night-Stand die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft – doch dafür bleibt ihnen nur ein Wochenende. Ein kleiner, sympathischer Film, der fast beiläufig eine der schönsten Kino-Liebesgeschichten der vergangenen Jahre erzählt.

Russell ist ein bescheidener Typ, etwas schüchtern und auf unauffällige Weise attraktiv. Er ist Mitte 20, arbeitet als Bademeister und hat eine nette kleine Wohnung in einem sonst gesichtslosen Hochhaus in Nottingham. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er schwul ist, aber er redet in seinem fast ausschließlich heterosexuellen Freundeskreis auch nicht gern darüber, so wie er ohnehin nicht gern über sich selbst redet oder über die Dinge, die ihn bewegen.

Glen ist, abgesehen vom Alter und einer unterschwelligen Grundmelancholie, das genaue Gegenteil. Er redet gern und viel, auch über sich selbst. Ein selbstbewusster Künstler, der stets das richtige T-Shirt anhat, manchmal etwas arrogant wirkt, aber immer charmant. Er hat viele schwule und lesbische Freunde, und Homosexualität ist bei ihm ein großes Thema, ob als Politikum, als Kunstthema oder einfach als Gesprächsstoff. Kurz: Glen und Russell sind zwei Menschen, die dafür bestimmt sind, nicht für einander bestimmt zu sein.

Als die beiden in einem Club aufeinander treffen, sind sie betrunken genug, sich trotzdem attraktiv zu finden und die Nacht miteinander zu verbringen. Und stellen am nächsten Morgen auch schnell fest, wie unsympathisch sie einander sein müssten, spätestens als Glen einen Kassettenrecorder herausholt, um Russell über den gemeinsamen Sex reden zu lassen für ein Kunstprojekt, das letzterer ziemlich albern findet. Und trotzdem zögern sie, als Glen schon in der Tür steht, um ohne viel Aufhebens aus Russells Leben zu verschwinden. Vielleicht ist da ja doch etwas, scheinen beide zu denken, irgendwo versteckt. Man könnte es ja wenigstens versuchen.

„Weekend“ ist ein kleiner, dokumentarisch anmutender Film über die Möglichkeit von Liebe, die eigentlich gar nicht möglich sein kann. Und er ist wundervoll. Es gibt keine spektakulären Wendungen, keine hochdramatischen Liebesschwüre, keine in letzter Sekunde aufgelösten Missverständnisse. „Weekend“ beobachtet seine beiden Helden nur mit geradezu beiläufiger Gelassenheit dabei, wie sie sich langsam gegenseitig entdecken. Und das hat man selten so ungekünstelt, so wahrhaftig und so ehrlich gesehen wie hier. Russell und Glen unterhalten sich wie ganz normale Leute, nie wie in einem Drehbuch mit vorgeschriebenen Dialogen. Manchmal reden sie an einander vorbei, manchmal streiten sie, unter Kokaineinfluss reden sie eine Weile auch ziemlich dummes Zeug – aber immer mit einem glaubhaften Interesse an einander, als ob sie sich stundenlang umkreisen und dabei die Kreise langsam immer enger ziehen.

Es ist erstaunlich, wie viel Spaß es macht und wie bewegend es ist, das mit anzusehen. Ohne die üblichen manipulativen Kniffe des Liebesfilmgenres erzählt Haigh, dessen Erstling „Greek Pete“ schon einen Eindruck seines Talents vermittelt hat, eine echt wirkende Liebesgeschichte, die eine der schönsten der vergangenen Jahre ist. Russell und Glen, gespielt von Tom Cullen und Chris New, sind so menschlich, dass sich jeder in ihnen wiederfinden kann, dazu muss man nicht einmal schwul sein oder männlich oder Bademeister. Es reicht schon zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn die Sehnsucht nach Liebe einer ersten Ahnung davon weicht. So kurz dieses Gefühl auch dauern mag.

Es ist leider nicht ganz leicht, ein Kino zu finden, das „Weekend“ spielt – heute läuft der Film ganz schüchtern erst mal nur im Berliner Kino Moviemento an, bevor er sich auf den Weg durch einige Städte der Republik macht. Am Sonnabend ist er im Rahmen der Lesbisch Schwulen Filmtage auch in Hamburg zu sehen, in Anwesenheit des Regisseurs. Eine gute Gelegenheit, ihn zu beglückwünschen, was ihm da für ein Schmuckstück von Film gelungen ist.

quelle: spiegel.de

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