From Mister Gay International to RIMUS


Ricco, der ehemalige Mister Gay Schweiz 2008 und Mister Gay International 2009, war einer der grössten Sieger aller bisherigen Mister Gay Wahlen. Nur er konnte sich gegen die zahlreichen Kandidaten durchsetzen und den Sieg erringen. In letzter Zeit wurde es jedoch etwas ruhiger um ihn. Wer nun denkt, Ricco habe sich zurück gezogen und lebe in einem Häuschen mit Mann und Kind, der irrt sich.

Vor 13140 Stunden zog Ricco nach Berlin, um zu versuchen, sich als Künstler zu etablieren. Er kam dort mit nur zwei Koffern an und kannte nichts und niemanden. Es war ein Neustart von Null. Neues Land, neuer Ort, neue Leute. Er musste einige Nebenjobs annehmen, um sich über Wasser zu halten. Seine grosse Leidenschaft war jedoch die Fotografie.

Schon als Bub, im zarten Alter von 12 Jahren, hat er seiner kleinen Schwester eine schicke 70er Jahre Frisur verpasst. Er hat sie auch geschminkt und mit seiner Polaroid Kamera tolle Fotos gemacht. Doch die Freude am Fotografieren hielt nicht lange an.

Während seiner Jugend hatte er oft mit seinem Schwulsein zu kämpfen. Ricco wollte selbst nicht wahrhaben, dass er schwul war. In der Schule wurde er oft gemobbt und ausgelacht. Er war gehörlos, und da er von seinen Eltern die Gebärdensprache lernte, sie jedoch schlecht beherrschte, wurden ihm die Hänseleien in der Schule zum Verhängnis. In St. Gallen gab es seit dem Jahr 1880 ein Verbot für Gebärdensprache an Schulen, welches bis in die späten 80er Jahre galt. Man versetzte Ricco an eine andere Schule nach Zürich. Erst dort lernte er, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Jahre später lernte er seinen damaligen Freund kennen, ein Mediengestalter, welcher nebenbei als Amateurfotograf seine Brötchen verdiente. Durch ihn wurde Riccos Leidenschaft für die Fotografie wieder neu entfacht. Ricco entdeckte sein eigenes Talent. Kurze Zeit später modelte er für Walter Pfeiffer, einer der bekanntesten Schweizer Fotografen. Pfeiffers Arbeiten wurden erst ab den frühen 2000ern durch Beiträge in den Zeitschriften i-D oder Vogue einem breiteren Publikum bekannt.

Ricco erzählte mir, dass er dauernd habe lachen müssen, wenn Walter Pfeiffer vor ihm gestanden sei. Der Fotograf ist bereits ein alter Hase in seiner Branche und deshalb trifft er immer die besten Momente für seine Bilder. Da wurde Ricco klar: „Ich will auch Fotograf werden.“

Zu Hause begann er, alles zu fotografieren, was ihm gerade vor die Linse kam. Seine erste Arbeit hiess: „Das Leben ist kein Zuckerschlecken.“ Seine Freunde kriegten davon Wind und fragten ihn, ob er nicht als Model arbeiten wolle.

rico müller

Jahre später kamen dann die Mr.Gay Schweiz und die Mr.Gay International Wahlen. Den Sieg konnte Ricco in der ersten Zeit nicht fassen. Er hatte es tatsächlich geschafft. Er musste viel Kritik einstecken, weil er ein grosses Mundwerk hatte. Selbst seine Beziehung zu seinem Freund ging in die Brüche. Sein damaliger Freund war unter anderem Amanda Lepores Manager. Es war eine harte Zeit für Ricco. Dennoch ist er seinem Exfreund heute dankbar. Denn dieser zeigte damals David La Chapelle Riccos Werk und David war begeistert von Riccos Talent.

Die glamouröse Zeit im Rampenlicht hatte Ricco genossen. Aber das Leben als “Prominenter” hatte auch seine Schattenseiten. Er fiel in eine Depression und hatte keinen Durchblick mehr. Er konnte nicht mehr erkennen, wer seine richtigen Freunde waren und hatte viele Neider. Er verstand nicht, weshalb so viele Leute ihn hassten. Es sei wie die Pest gewesen, erzählte er.

Riccos Eltern waren stolz auf ihren Sohn und unterstützten ihn, wo sie nur konnten. Durch seine zwei Mr. Gay Titel konnte er mit namhaften Fotografen zusammenarbeiten und sich einige Jobs als Model an Land ziehen. Immer wieder konnte er von seinen Erfahrungen mit Walter Pfeiffer profitieren. Und mit der Zeit konnte er selbst eine professionelle Grundlage als Fotograf erarbeiten.

Einer von Riccos grössten und letzten Höhepunkten war, dass er bei Kurt Aeschbachers Talkshow “Aeschbacher” zu Gast war.

Ricco war jedoch längst bewusst, dass er als Fotograf arbeiten musste. Die Zeit als Mr.Gay war für ihn zwar schön, aber seine Rolle war nur eine Fassade. Eine Fassade, die nur für die Gay Community etwas zählte. Er konnte zwar dort im Mittelpunkt stehen, aber das bedeutete ihm nicht mehr wirklich viel. Er wollte das ganze hinter sich lassen. Als Mr. Gay wird man automatisch in eine Schublade gesteckt. Ein Schönling, prominent, ein schwuler Botschafter, der König der Schwulen. Solche Sprüche musste Ricco sich oft anhören.

Nach der Abgabe seiner Krone hatte er nur einen Gedanken: Weg aus dem goldenen Käfig! Raus aus dem ganzen Rampenlicht! Doch er wusste nicht, wohin er sollte. Berlin war nur ein Gedanke von vielen. Und kurze Zeit später packte er seine Koffer und sagte “tschüss” zur Schweiz. Er wanderte aus. Weshalb er sich gerade für Berlin entschieden hatte, sei ihm noch heute ein Rätsel. Er folgte seinem Instinkt und es zeigte sich, dass die Entscheidung richtig war. New York wäre die zweite Wahl gewesen, doch er fühlte sich noch nicht bereit für diese Stadt.

Einen Monat bevor er nach Berlin reiste, erzählte er seinen Eltern von seinen Plänen. Diese hielten Riccos Idee zuerst für einen Witz. Bis zu dem Tag, als es soweit war. Seine Eltern begleiten ihn zum Bahnhof, und dann hiess es Abschied nehmen.

Berlin: Ein Neustart in die Zukunft

Ricco wollte eine neue Dimension in seinem Leben erreichen. Und das schaffte er in Berlin. Er fand Unterschlupf bei einem guten Freund, bis er etwas Eigenes gefunden hatte. Während dieser Zeit arbeitete er in einem Restaurant als Tellerwäscher. 6 Euro pro Stunde war sein Verdienst. Unter anderem musste er auch Suppen kochen. Tja, die Berliner sind ja soooolche Vegetarier! *smile*. Vom Suppen kochen hatte Ricco leider nicht viel Ahnung. Und so nahm er nach einer Weile einen anderen Job an. Ein Job als Garderobier. Es war der am schlechtesten bezahlte Job, den er je hatte. Dafür lernte er jedoch stets schöne Männer kennen.

Für die Fotografie blieb ihm wenig Zeit. Eines Tages erhielt er das Angebot, als Model mit Jonathan Agassi zu arbeiten. Ricco nutzte seine Chance. Er arbeitete auch wieder als Fotograf und begann, sich ein Netzwerk mit Modelagenturen, Fotografen etc. aufzubauen.

In der Schweiz hätte er eine solche Chance nie gekriegt, da er nur als “Mr. Gay” bekannt war. Bei den Fashionweeks arbeitete Ricco auch wieder als Garderobier und konnte so noch weitere Kontakte knüpfen und sein Netzwerk erweitern. Einmal wurde er von einem Nachwuchsfotografen beschimpft, er solle an sich arbeiten, was Ricco natürlich auch machte.

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Sein aktuelles Projekt, „Sirena’s Story“, ist ein Kindheitstraum, welcher er nun verwirklichen konnte. Seither wird er von Angeboten überhäuft. Im März 2011 wurde er ausserdem noch vom Magazin „Vangardist“ zum “Newcomer of the Month″  für Nachwuchskünstler gekürt. Ricco war sehr stolz, dass er dies alles innerhalb kürzester Zeit erreichen konnte!!!

Nach dieser langen Reise auf der Suche nach dem wahren Ich weiss Ricco nun endlich, wo er hingehört. Jetzt weiss er, wer ist: Rimus.

+ Rimus will sich bei Marco Carocari, David La Chapelle und Patrick Mettraux dafür bedanken, wo er heute steht. Er dankt dem Universum, dass er gehörlos ist. Wäre er nicht gehörlos, hätte er kein Gespür für die Fotografie. Er dankt allen Leuten, die ihn während den Mr.Gay Wahlen kräftigt unterstützten.

+ Seinen liebevollen Eltern möchte Rimus ebenfalls danken. Sie haben ihm sein Leben geschenkt und sind stets hinter ihm gestanden, bei allem, was er machte. Er dankt auch all seinen ehemaligen Lehrerinnen und Chefs, die niemals an ihn geglaubt hatten. Denn dies hat seinen Ehrgeiz noch mehr gestärkt.

rimus müller

Heute geniesst Rimus seine Arbeit als Fotograf. In seinen Bildern stecken soo viel Liebeund Sinnlichkeit, die er allen Mitmenschen weitergeben will. Er war schon immer eine starke und komplexe Persönlichkeit. Das war auch der Grund, weshalb er vor seinerJapanreise ein Aussenseiter war. Heute blickt er zurück und kann darüber lachen.

Selbst die äussere Fassade ist mittlerweile ein Witz für ihn geworden.

Eines will Rimus euch lieben Lesern klar machen: Nämlich, weshalb er schon immer eine komplexe Person war und warum er manchmal auch sehr oberflächlich war:

Er selbst sieht sich als ein schöner Mann und das ist völlig normal. In Wahrheit ister ein schüchterner Kerl. Manchmal begreift er nicht, was die Leute an ihm so sexy finden.

Der Titel „Mr.Gay“ hat Rimus geholfen, seinen Weg zu finden. Er fühlt sich noch heute so,als müsse er für die junge Generation ein Vorbild sein. Doch dass braucht er nicht.

Alles was ihr, junge Gay Generationen braucht, ist Selbstvertrauen. Dann könnt ihr es auch alleine schaffen. Und dass geht auch ohne einen Mister Gay Titel.

Rimus‘ Homepage: http://the-rimus.com

rimus müller bio

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Ein Kommentar zu “From Mister Gay International to RIMUS

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